Den Mutigen gehört die Wanderung

Sagenerlebnisweg Flumserberg

Wenn der Berg grollt und das Wetter macht, was es will, wird die sagenreiche Wanderung erst recht zum Erlebnis.

An unserem Wandertag ist das Wetter nicht auf unserer Seite –  wir sitzen auf dem Sessellift zur Mittelstation Prodalp und es giesst wie aus Kübeln. Also entscheiden wir uns, eine heisse Schoggi zu trinken, bevor wir den Sagenerlebnisweg in Angriff nehmen. Kaum steht die Schokolade auf dem Tisch, schon kommt die Sonne hervor und wir sind bereit! Nun, die Kinder sind es, wir Erwachsenen schauen mit besorgtem Auge zum Himmel, der tatsächlich an diesem Tag alle seine Launen zum Besten gibt.

Aber die Kinder lassen sich nichts anmerken. Oben angekommen, wandern wir los, lesen die Tafeln und befolgen die Anweisungen vom «Wilden Mannli», das in seiner Vergangenheit auf dieser Erde so manches falsch gemacht hat und deshalb in die Sagenwelt verbannt worden ist. Nun soll es mit unserer Hilfe wieder in die hiesige Gesellschaft eingegliedert werden.

Trotz Wetterkapriolen stellen wir uns den Aufgaben: Wir versuchen, den Gipfeln des Panoramas die richtigen Namen zuzuordnen und stellen uns vor, wie die monumentale Sichelkammfalte im Bergmassiv gegenüber vor etwa 30 Millionen Jahren entstanden ist.

Das Wetter ist zweitrangig, wenn die Stimmung stimmt.
Scrabble spielen mit Güetzi. Mmmh!

Ein Picknick im Wind

Es ist kalt und der Wind bläst, aber das scheint meine Kinder keineswegs zu stören. Der Zwergenkönig, mein Ältester, zieht voraus und meine neunjährige Zauberfee und der fünfjährige Lichterprinz zotteln fröhlich hinterher – als wäre eine Wanderung bei diesem Wetter das Normalste.

Für das Picknick suchen sie sich die windigste Ecke aus – aber ein Feuer können wir sowieso nicht machen, weil ich die Zündhölzer nicht eingepackt habe. Zum Glück haben da gute Seelen einen soliden Unterstand fürs Holz gebaut. Die Kinder machen es sich im Häuschen gemütlich und essen vergnügt Curryreis vom Vortag aus dem Tupperware und rohe Cervelats. Mit Güetzi in Buchstabenformen spielen wir zum Dessert Scrabble. Endlich entdeckt die Grossmutter zwischen den Tannen einen Fetzen blauen Himmel. Minuten später belohnt uns die Sonne mit einem Regenbogen.

Es klart auf und wir wandern weiter den Posten nach. Ich bin froh, ist es wieder trocken, denn es ist schon sehr viel einfacher, die Lösungsbuchstaben auf trockenem Papier zu notieren. Seit Posten Nummer zwei bin ich der offizielle Sekretär meiner Kinder, sie selbst haben nämlich anderes zu tun in der spannenden Bergwelt.

 

 

Wenn man vor lauter Spielen die Zeit vergisst

Wir wandern weiter und erblicken geschnitzte Tiere, verfolgen Ameisen aus Stahl, suchen einen Schatz, klopfen aufs Ende eines Holzträmels und lauschen am anderen Ende das Geräusch.

Wir lassen uns vom «Wilden Mannli» und den Spielen in den Bann ziehen und vergessen die Zeit. So sehr, dass wir noch knapp eine der letzten Fahrten des Tages zur Talstation erwischen. Glück gehabt, denn eine unfreiwillige Wanderung ins Tal wäre doch etwas zu viel des Guten gewesen. Erleichtert sitzen wir in der Gondel und freuen uns, dass wir das «Wilden Mannli» erfolgreich auf die Erde zurückgeholt haben.

 

Sagenerlebnisweg Flumserberg

Erlebnispfade und Wanderwege mit Kindern

 

Juni 2020

Ein Artikel von:
Rémy
Kappeler
Rémy Kappeler bloggt als Wanderpapa auf blog.wandern.ch und ist Leitender Redaktor des Magazins WANDERN.CH der Schweizer Wanderwege. Seine drei Kinder wecken in ihm jenen gesunden Ehrgeiz, der früher fürs Gipfelerklimmen in ihm flammte.
zurück zur Übersicht